Schott Music

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22. Mai 2017

Werk der Woche: Krzysztof Penderecki – Ein feste Burg ist unser Gott

In diesem Jahr jährt sich Martin Luthers Thesenanschlag und damit der Beginn der Reformation zum 500. Mal: Anlass genug für viele Veranstalter sich dieses Themas anzunehmen. Am 26. Mai 2017 führt die Staatskapelle Weimar mit dem Chor des Deutschen Nationaltheaters Krzysztof Pendereckis Ein feste Burg ist unser Gott nach Luthers gleichnamigem Choral im Nationaltheater Weimar auf. Es dirigiert Kirill Karabits.

Penderecki komponierte Ein feste Burg ist unser Gott 2010 für gemischten Chor, Blechbläser, Schlagwerk und Streichorchester. Das verhältnismäßig kurze Werk war eine Komposition anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Stadt Cieszyn in Pendereckis Heimatland Polen.  Penderecki ist bei weitem nicht der erste, der Luthers Material in seiner Komposition verwendete; auch Komponisten wie Max Reger, Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Georg Friedrich Händel griffen schon darauf zurück. Zu den bekanntesten Bearbeitungen gehört jedoch Bachs Choralkantate BWV 80, deren Schlusschoral Penderecki in seinem Werk zitiert. Penderecki verwendet daher nicht den gesamten lutherischen Text, sondern lediglich die letzte der vier Strophen.

Pendereckis Ein feste Burg ist unser Gott: Bekenntnis zur Ökumene

Es mag verwundern, dass der katholische Penderecki ausgerechnet einen Choral wählte, der zu einem musikalischen Sinnbild der Reformation geworden ist. Der Aufführungsort seiner Komposition war jedoch die evangelische Jesuskirche in Cieszyn. Penderecki entschied sich, einen dazu passenden Titel zu wählen. Auch die musikalische Gestaltung ist wohl überlegt. Die Besetzung ohne Holzbläser dafür mit romantisch-starkem Blech verleiht dem Werk in D-Dur den Charakter einer Fanfare und unterstreicht den festlichen Anlass der Jubiläumsfeier, zu dem es komponiert wurde. Die Blechbläser beginnen zunächst allein in einem feierlichen Anfangsteil, der sich sukzessive durch das Einsetzen von immer mehr Bläsern und Schlagwerk aufbaut. Erst dann setzen Streichorchester und  Chor zum Choral ein.

Ich habe Jahrzehnte damit verbracht, neue Klänge zu suchen und zu finden. Gleichzeitig habe ich mich mit Formen, Stilen und Harmonien der Vergangenheit auseinandergesetzt. Beiden Prinzipien bin ich treu geblieben… Mein derzeitiges Schaffen ist eine Synthese. – Krzysztof Penderecki

Weitere Aufführungen des Werkes im Nationaltheater Weimar finden am 4. und 30. Juni statt.

 

Foto: © Marek Beblot (Krzysztof Penderecki)