Schott Music

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22. April 2019

Werk der Woche – Nahasdzáán in the Glittering World

Der heutige Zustand unseres Planeten, der durch die Menschheit immer mehr zerstört wird, ist Gegenstand von Thierry Pécous neuer Kammeroper. Dazu wählt der Komponist den Blickwinkel der nordamerikanischen Navajo-Indianer, die eine besondere Verbundenheit zur Erde und zur Natur pflegen. Am 23. April 2019 wird Nahasdzáán in the Glittering World an der Opéra de Rouen in der Normandie uraufgeführt. Pécou selbst dirigiert die Uraufführung, für Regie und Choreographie ist Luc Petton verantwortlich.

Die geistige Versenkung in indigene Kulturen ist prägend für das kompositorisches Schaffen Pécous, der schon einige Zeit in Kanada, Russland, Spanien und Lateinamerika lebte. So setzte sich Pécou in seiner Symphonie du Jaguar und in seiner Kantate Passeurs d´eau mit der Musik und den Traditionen nordamerikanischer Indianerstämme auseinander. Für Nahasdzáán verwendet er nun Texte der Navajo-Dichterin Laura Tohe, die sich mit dem Schöpfungsmythos der Navajo befassen und gleichzeitig den Bezug zur heutigen Zeit suchen.

Mit unserer Lesart der heiligen Geschichten und Heilungs-Zeremonien der Navajo-Indianer wollten wir die dramatischen Wunden offenlegen, die der Mensch auf „Nahasdzáán“ (=Mutter Erde) verursacht hat und gleichzeitig die Kraft des Navajo-Konzepts „Hozho“ zeigen, das Harmonie, Gesundheit und Schönheit in sich vereint. Am Ende des Rituals, das mythologische Figuren der Navajo heraufbeschwört, sind die Tiere besorgt: Welche neuen Welten werden die Menschen erschaffen, um die Erde zu retten und der Katastrophe zu entkommen – Thierry Pécou

Die Schöpfungsgeschichte der Navajo erzählt von vier aufeinanderfolgenden Welten. Die erste, schwarze Welt war eine Art Unterwelt, in der verschiedene Gottheiten und Geister lebten. Auch die blaue zweite und die gelbe dritte Welt wurden nur von übernatürlichen Wesen bewohnt, während die vierte, weiße Welt von Menschen bevölkert ist. Die vier Welten spiegeln sich in den vier Teilen der Oper Nahasdzáán wider. Eine wichtige Rolle in allen Welten spielen zudem Tiere, denen die Navajo-Kultur eine hohe Wertschätzung entgegenbringt. So obliegt das Finale der Oper den Tierfiguren, die den Zustand der Welt kommentieren und ihre Hoffnung auf Besserung zum Ausdruck bringen. Dazu kommen in der Inszenierung auch lebendige Tiere auf die Bühne.

Thierry Pécou – Nahasdzáán in the Glittering World: Kammeroper über indianische Traditionen

In seiner musikalischen Ausgestaltung setzt Pécou den Inhalt der Textvorlage ins Zentrum, indem er die vier Vokalpartien nah an Sprachrhythmus und -melodie anlehnt. Lange Haltenoten und expressive Klangfiguren prägen die Instrumentalstimmen des Kammerensembles, die immer wieder in einen spannenden Dialog untereinander und mit den Gesangsstimmen treten.

Nach der Uraufführung findet in Rouen am 25. April 2019 eine weitere Aufführung von Nahasdzáán in the Glittering World statt, am 2. Mai 2019 ist das Stück in Caen zu sehen. Auch in Deutschland wird die Musik von Pécou zunehmend entdeckt, so wie am 12. Mai 2019 in Saarbrücken. Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern präsentiert an diesem Tag die deutsche Erstaufführung des Klavierkonzerts L´Oiseau innumérable – mit dem Komponisten am Klavier und unter der Leitung von Jonathan Stockhammer.