Schott Music

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26. Oktober 2021

Werk der Woche – Paul Dessau: Die Verurteilung des Lukullus

Am Montag, den 1. November 2021 wird die Oper Die Verurteilung des Lukullus von Paul Dessau in der Staatsoper Stuttgart aufgeführt. Das Werk ist zum ersten Mal in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu sehen. Es inszeniert das Musiktheaterkollektiv „Hauen und Stechen“ um Julia Lwowski und Franziska Kronfoth. Dirigent ist Bernhard Kontarsky, der seit 1969 der Staatsoper Stuttgart verbunden ist.

Die Oper von 1949 basiert auf dem Hörspiel Das Verhör des Lukullus von Bertolt Brecht, das der Dichter bereits im Jahr 1939 verfasste. Dessau und Brecht waren beide während der Nazi-Herrschaft im Exil gewesen und entschieden sich bei ihrer Rückkehr, sich in der Sowjetischen Besatzungszone niederzulassen. Im Jahr der Gründung der DDR arbeiteten sie gemeinsam am Libretto des „Lukullus“, in dem sie ihre Kritik am Zweiten Weltkrieg und an jeglicher militärischer Expansion zum Ausdruck brachten. Wegen Dessaus moderner Tonsprache und weil den sozialistischen Machthabern die Kritik am ausbeuterischen Herrschermodell noch zu schwach erschien, gab es bereits während der Proben Auseinandersetzungen mit dem Produktionsteam. Die geschlossene Uraufführung am 17. März 1951 in Admiralspalast-Provisorium der Deutschen Staatsoper Berlin löste eine heftige Debatte aus. Erst nach Änderungen durch die beiden Autoren – unter anderem die Umbenennung der Oper von Das Verhör des Lukullus zu Die Verurteilung des Lukullus – wurden weitere Aufführungen zugelassen, sodass das Werk anschließend im Repertoire der Staatsoper gespielt wurde.

Lukullus bei Bertolt Brecht und Paul Dessau als Feldherr und Prahlhans

Zum Inhalt: Der römische Heerführer Lukullus wird – nach dem pompösen Staatsakt seiner Beerdigung – in der Schattenwelt zur Rechenschaft gezogen. Unter den Schöffen des Totengerichts befinden sich auch seine Opfer. So werden seine triumphalen Erfolge anders bewertet, als er es gewohnt war. Nicht seine Siege, sondern die Verluste bei seinen Feinden und in den eigenen Reihen werden ihm angerechnet. Das Urteil ist eindeutig: „Ins Nichts mit ihm!“

Bemerkenswert an der Partitur ist die Wahl der Instrumente. Dessau verzichtete auf Geigen und Bratschen und wählte dafür ein neunköpfiges Schlagwerk. Durch die Abwechslung von Bläser- und Percussionsklängen und den Einsatz der tiefen Streicher ergibt sich ein kontrastreiches und effektvolles Klangbild.

Dass ich den Lukullus mit Pauken und Trompeten einführe, hat nichts mit dem klassischen Klischee der Heldeneinführung gemein. Bei mir ist es parodistisch gemeint. Ich führe ihn mit Pauken und Trompeten ein, um zu sagen, jetzt kommt ein großer Prahlhans. (Paul Dessau)

Weitere Aufführungen sind in der Stuttgarter Staatsoper am 06./13./15./20. November geplant.