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Schott Music

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Werk der Woche – Peter Eötvös: Alle vittime senza nome

7. Mai 2017

Das neue Orchesterwerk Alle vittime senza nome von Peter Eötvös setzt den unzähligen arabischen und afrikanischen Menschen, die im Mittelmeer ertrunken sind, ein musikalisches Denkmal. Die Uraufführung findet am 8. Mai 2017 im Teatro alla Scala in Mailand statt. Das Stück wird von der Filarmonica della Scala aufgeführt und vom Komponisten selbst dirigiert.

Die Komposition entstand als gemeinsames Auftragswerk der vier größten italienischen Orchester. In dem dreisätzigen Werk greift Eötvös eine allgegenwärtige Thematik unserer Zeit auf. Tausende Flüchtlinge versuchen regelmäßig in viel zu kleinen Booten vor Krieg und Verfolgung über das Meer zu fliehen. Doch nicht alle erreichen ihr Ziel: Immer wieder kentern ihre Boote; viele können nicht gerettet werden und ertrinken unerkannt im Meer. Ebendiesen „vittime senza nome“ – den „namenlosen Opfern“ – widmet Eötvös sein Werk. Während die Bilder der Flüchtlinge und ihrer Schicksale zu Anfang noch um die Welt gingen, nehmen diese Nachrichten heute kaum mehr als Randnotizen ein. Eötvös verschafft den Flüchtenden damit eine neue Art der medialen Präsenz und ruft in Erinnerung, dass die Problematik nach wie vor ungelöst ist.

Eötvös‘ Alle vittime senza nome: Ein interkulturelles Requiem

Der Hintergrund der Komposition macht sie zu einer Art Requiem. Eötvös verzichtet jedoch bewusst auf diesen Titel, um Rücksicht auf die verschiedenen Kulturen und Religionen der Flüchtlinge zu nehmen. Musikalisch zeichnet er den Weg der Schutzsuchenden nach. Seine Gestaltung ist dabei ebenso vielseitig wie die Unbeständigkeit des Meeres. Eötvös schöpft aus der vollen Bandbreite der dynamischen und besetzungstechnischen Möglichkeiten, von leisen Soloparts einzelner Instrumente über Wellenfiguren verschiedener Instrumentengruppen bis zu ausdrucksstarken Tutti-Passagen. Auch der Rhythmus ist ein zentrales Element in Alle vittime senza nome, so dass der Komponist sich durchaus vorstellen kann, dass das Orchesterwerk auch mit einer Choreographie  verbunden werden kann.

Während des Komponierens sah ich die ergreifenden Bilder; sowohl die Gesichter von einzelnen Personen als auch die unvorstellbare Masse von dicht im Boot stehenden Menschen. Dieses Bild transformiert sich in der Komposition zu zarten Melodien der Soloinstrumente und zu dichten Klangmassen, bei denen das ganze Orchester spielt.  – Peter Eötvös

Nach der Uraufführung in Mailand wird Alle vittime senza nome in der kommenden Spielzeit auch von den anderen Auftraggebern – dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, dem Orchestra Sinfonica dell’Opera di Firenze und dem Orchestra Nazionale della RAI in Turin – aufgeführt.

 

Foto: © Klaus Rudolph (Peter Eötvös)