Schott Music

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23. Januar 2017

Werk der Woche: Peter Eötvös – Love and Other Demons

Am 27. Januar 2017 feiert die Oper Love and Other Demons von Peter Eötvös an der Ungarischen Staatsoper Budapest Premiere. Das Libretto basiert auf dem gleichnamigen Roman Del amor y otros demonios von Gabriel García Márquez. Regisseur ist Silviu Purcãrete, der bereits die Uraufführung 2008 beim Glyndebourne Festival inszenierte. Die musikalische Leitung übernimmt Eötvös selbst.

Die Handlung spielt in Kolumbien im 18. Jahrhundert und erzählt von der 12-jährigen Sierva Maria, die von einem tollwütigen Hund gebissen wird. Obwohl keine Krankheitssymptome auftreten, hat Sierva Maria dennoch in der von Aberglaube und religiösem Wahn bestimmten Stadt bald den Ruf, besessen zu sein. Daraufhin lässt ihr Vater sie im Kloster St. Clare gefangen setzen. Dort soll Cayetano Delaura, der Exorzist des Bischofs, den Dämon austreiben. Bald darauf jedoch ist es Delaura selbst, der besessen ist: und zwar vom „wildesten aller Dämonen“, von einer überwältigenden Liebe zu Sierva Maria.

Das herausragende Merkmal von Love and Other Demons ist die konsequente Mehrsprachigkeit. Eötvös und sein Librettist Kornél Hamvai haben den verschiedenen Erzähl- und Handlungsebenen der Geschichte ihre jeweils charakteristische Sprache gegeben: Englisch ist die Amtssprache und Alltagssprache der Adligen, Latein ist die Sprache der kirchlichen Riten, Spanisch wird immer dann von Delaura benutzt, wenn seine Gespräche mit Sierva Maria persönliche Empfindungen berühren und Yoruba ist die Geheimsprache der Sklaven. Auch in seiner Musik zitiert Eötvös Stile verschiedener Kulturen.

Peter Eötvös‘ Love and Other Demons: Theater in sich

Das Orchester ist in diesem Werk zweigeteilt und sitzt sich im Orchestergraben gegenüber. Dadurch entsteht oftmals eine Dialogstruktur zwischen den Orchestern und auch mit den Sängern. Auf faszinierende Art „malt“ die Musik die Atmosphäre durch den hin- und herwandernden Klang. Die Phrasen der Sänger entwickeln sich aus den orchestralen Klangflächen und lassen die Gesangslinien entstehen. Oftmals übernimmt das Orchester unbemerkt gehaltene Töne der Sänger und formt daraus ein Klangereignis. Dieses räumliche Wandern der Töne verstärkt die entstehenden Dialoge.

Meine Musik ist Theatermusik – es ist keine Begleitmusik, sondern Theater in sich. – Peter Eötvös

Love and Other Demons wird einschließlich bis zum 27. Mai neun Mal in Budapest gespielt.

 

Foto: Paul Leclaire, Oper Köln 2010