Schott Music

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17. Oktober 2016

Werk der Woche – Richard Wagner: Der fliegende Holländer

Am 20. Oktober 2016 feiert an der Vlaamse Opera Antwerpen Tatjana Gürbacas Inszenierung von Richard Wagners Der fliegende Holländer Premiere. Bei insgesamt zehn Vorstellungen dirigieren Cornelius Meister und Philipp Pointner. Die große Besonderheit liegt jedoch auf den Notenpulten der Musiker: Zum ersten Mal wird die Oper mit dem neuen Aufführungsmaterial gespielt, das dem Text der Richard Wagner-Gesamtausgabe entspricht.

Die Urfassung des Fliegenden Holländers wurde 1841 fertiggestellt und ist bereits seit zehn Jahren als Orchestermaterial nach der Gesamtausgabe erhältlich. Ab 1842 begann für die „Romantische Oper in einem Akt und drei Aufzügen“ eine permanente Bearbeitungsgeschichte. In der so genannten „Fassung 1842-1880″ verlegte Wagner den Schauplatz von Schottland nach Norwegen, veränderte entsprechend die Rollennamen, teilte die Oper in drei Akte und nahm Änderungen am Notentext vor, indem er etwa die Ballade der Senta in eine andere Tonart transponierte. Zunächst in dieser Form gedruckt, erfuhr das Werk in den Folgejahren erneut kleinere und größere Änderungen. Unter anderem komponierte Wagner 1860 einen neuen Schluss des 3. Aktes – den so genannten „Erlösungsschluss“.

Wagners Plan, nach den zahlreichen kleinen Retuschen eine abschließende Partitur für die Oper fertigzustellen, blieb bis an sein Lebensende unerfüllt. So kommt es, dass Der fliegende Holländer – wie auch der Tannhäuser – bis heute nicht in einer endgültigen Fassung vorliegt.

Der fliegende Holländer – Ein ewiges „Work in Progress“?

Das Fehlen einer endgültigen Partitur bedeutet Arbeit für die Wagner-Forschung. Die Wagner-Gesamtausgabe hat den Anspruch, sämtliche Stadien der Veränderung so genau wie möglich zu rekonstruieren. Der lange herrschenden Auffassung des Vorrangs der „Fassung letzter Hand“ wird dabei nicht gefolgt. Schließlich blieb die Oper, die Wagner innerhalb von sieben Wochen niedergeschrieben haben will, bis zum Ende „problematisch“ für den Komponisten. Nichtsdestotrotz ist sie heute eine der populärsten Wagner-Opern.

Wenn ich jedoch auch nur bei Wenigen und Einzelnen vollkommen das erreiche, was ich beabsichtige, so soll dieses Gelungene mich für alles sonst Missglückte reichlich entschädigen;  und herzlich drücke ich den wackeren Künstlern im Voraus die Hand, die es nicht verschmähten, mit mir sich näher und inniger zu befassen und zu befreunden, als dies für gewöhnlich in unsrem heutigen Kunstweltverkehre angetroffen wird. – Richard Wagner

Die Holländer-Partitur der Gesamtausgabe und der zugehörige Klavierauszug auf dem neuesten Stand der Forschung werden bereits von vielen Dirigenten und Sängern geschätzt. Mit dem neuen Orchestermaterial der Fassung 1842-1880 liegen nun auch einheitliche, moderne Stimmen für das Orchester vor. In Antwerpen und Gent wird aus ihnen bis zur Dernière am 22. November gespielt. Ab sofort wird das neue Material von Schott an alle Bühnen geliefert, die diese Fassung von Der fliegende Holländer aufführen.