Schott Music

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20. November 2017

Werk der Woche – Richard Wagner: Wesendonck-Lieder

Richard Wagner hat sich nicht nur im Bereich der Oper hervorgetan: Die Wesendonck-Lieder für Gesang und Orchester werden in dieser Woche nach der Fassung von Felix Mottl in Luxemburg und nach der Fassung von Hans Werner Henze im Vereinigten Königreich, der Schweiz und Deutschland gespielt.

Im Züricher Exil lernt Wagner die Kaufmannsfamilie Wesendonck kennen, in der er rasch Freunde und Förderer findet. Neben einer intensiven Briefkorrespondenz entsteht im Herbst 1857 bis zum Herbst 1858 eine Liebesbeziehung zwischen dem Komponisten und der Kaufmannsgattin Mathilde Wesendonck. Wagner schreibt für sie eine Klaviersonate und vertont fünf ihrer Gedichte an ihn. Die Liebschaft endet jedoch abrupt als Wagners Ehefrau Minna die Briefe entdeckt.

Richard Wagner und Mathilde Wesendonck: „unsere Lieder“

Der Klavierlieder-Zyklus spiegelt Wagners zwiegespaltenen seelischen Zustand wieder, der zwischen überschwänglicher Euphorie und wahnhafter Bedrücktheit schwankt. Mathilde Wesendonck entlockt jedoch dem großen Opernkomponisten sanfte Töne und so entstehen, ungewöhnlich für sein sonstiges Œuvre, die Fünf Lieder für eine Frauenstimme. Das Fortleben der Wesendonck-Lieder findet in Wagners Handlung in drei Aufzügen Tristan und Isolde statt. So nennt er das dritte und fünfte Lied auch „Studien zu Tristan und Isolde“, ihre Harmonien greifen der Oper vor. Zeitgenossen sollen den Liedern nachgesagt haben, ohne Orchesterklang seien sie kein  „echter Wagner“ . Folgerichtig arbeitete Wagner an einer Orchestrierung, die in ihrem klanglichen Gewand seinen Musikdramen folgen sollte. Neben der oft aufgeführten vervollständigten Orchesterfassung von Felix Mottl, existiert seit 1976 eine Fassung für Alt und Kammerorchester von Hans Werner Henze. Sie lässt die modernen Züge der Lieder strukturell hervortreten und gewährt dem Gesang eine größere gestalterische Bandbreite. Seine Fassung lässt die Wesendonck-Lieder  weit weniger als eine „Studie“ erscheinen als ein unabhängiges Werk.

Besseres, als diese Lieder, habe ich nie gemacht, und nur sehr weniges von meinen Werken wird ihnen zur Seite gestellt werden können. – Wagner in einem Brief an Mathilde

In der Henze-Fassung werden die Lieder zunächst am 20. November in der Stadthalle Braunschweig in mit der Sopranistin Jelena Kordić aufgeführt. Tags drauf, am 21. November, in Genf mit der Altistin Sara Mingardo und zuletzt am 25. November in Greyfriars Kirk Edinburgh mit der Mezzosopranistin Cheryl Forbes. Die Fassung von Felix Mottl aus dem 19. Jahrhundert wird am 21. November in der Philharmonie Luxemburg unter der Leitung Bernard Haitink mit der der Sopranistin Eva Maria Westbroek und dem Chamber Orchestra of Europe zu Gehör gebracht.