Schott Music

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24. Oktober 2016

Werk der Woche – Stefan Heucke: Baruch ata Adonaj

Werk der Woche: Baruch ata Adonaj von Stefan Heucke

Am 27. Oktober wird in Bochum das Anneliese Brost Musikforum Ruhr eingeweiht. Zu diesem feierlichen Anlass wird ein neues Werk von Stefan Heucke zur Uraufführung gebracht: Die Auftragskomposition Baruch ata Adonaj (Gesegnet seist du, Herr) ist eine Kantate auf einen hebräischen Segenstext für Bariton, drei Knabenstimmen, Chor und Orchester. An der Aufführung beteiligt sind die Auftragsgeber selbst, die Bochumer Symphoniker unter der Leitung von Steven Sloane, sowie das ChorWerk Ruhr und der Philharmonische Chor Bochum. Solisten sind der Bariton Martijn Cornet und Knaben der Chorakademie Dortmund.

Die Möglichkeiten des neuen Konzertraums werden in der etwa halbstündigen Kantate eindrucksvoll inszeniert. Anfangs ist die Bühne leer. Der Solist und die drei Chorknaben stehen sich auf den Balkonen gegenüber. Der Bariton trägt eine rhapsodische Melodie vor, die von den Knaben antiphonisch beantwortet wird. Diese ist zugleich das Thema des Werks und Grundlage für die acht abwechselnd instrumental und vokal gestalteten Variationen.

Baruch ata Adonaj von Stefan Heucke – Raumgestaltung durch Klang, Klanggestaltung durch Raum

Die acht Sätze reichen von feinen kammermusikartigen Passagen bis hin zu größter Klangfülle. Der Wahl-Bochumer Heucke entwickelt dabei sowohl das musikalische Material, als auch den Aufführungsraum selbst, um ihre Potentiale und Facetten zu beleuchten. Die Tendenz dabei ist, dass sich die anfangs noch leere Bühne mehr und mehr mit Menschen und Klang füllt.

Zur Eröffnung des neuen Musikforums beauftragten mich die Bochumer Symphoniker mit der Komposition eines Werkes, das sowohl den Dank für die Vollendung dieses langgehegten Projektes als auch den Wunsch nach Segen für dessen Zukunft ausdrücken sollte. Dabei betreten nach und nach immer mehr Sänger und Instrumentalisten die Bühne, so dass am Ende, einer strahlenden Amen-Apotheose, der ganze Raum mit Musik und Menschen gefüllt und damit bewohnt und eingeweiht ist. – Stefan Heucke

Der sehr kurze Text Baruch ata Adonaj  ist ein Segensgebet, das einen wichtigen Platz in der jüdischen Tradition hat. Die Formel ist auf vielfältige Situationen anwendbar: Dem Herrn kann so nicht nur für Essen und Trinken, sondern auch etwa für das Hören und Sehen von besonderen Dingen gedankt werden. Ein solches Erlebnis verspricht die Einweihung in Bochum zu werden. Besonderer Dank gebührt den Bürgern der Stadt, die etwa die Hälfte der insgesamt 34 Millionen Euro zum Großprojekt beigetragen haben. Das Konzerthaus soll vor allem die erste eigene Spielstätte für das renommierte städtische Orchester sein, das bisher nur auf Gastkonzerten sein volles Klangpotential entfalten konnte. In der „Heimatlosigkeit“ des Orchesters lässt sich auch eine Parallele zur jüdischen Geschichte sehen.

Die Aufführung wird am Folgetag wiederholt. Am 29. und 30. Oktober laden die Bochumer Symphoniker bereits zum nächsten Konzert in ihr neues Zuhause ein. Auf dem Programm steht dann unter anderem Igor Strawinskys beliebte Suite Der Feuervogel.