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Schott Music

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5. Juni 2017

Werk der Woche: Stefan Heucke – Deutsche Messe

Die Deutsche Messe von Stefan Heucke nach einer Übersetzung von Norbert Lammert wird am 10. Juni 2017 uraufgeführt. Unter dem Dirigat von Steven Sloane spielt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin mit dem Rundfunkchor Berlin in der Stephanskirche Mainz. Als Solisten treten Juliane Banse (Sopran), Birgit Remmert (Alt), Tilman Lichdi (Tenor) und Michael Nagy (Bass) auf.

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit von Stefan Heucke und Bundestagspräsident Norbert Lammert. Schon 2010 hatte Heucke Lammerts neue Übersetzung des „Pater noster“ in seinem Chorwerk Unser Vater vertont. So ist es wenig verwunderlich, dass Lammert unmittelbar nach dieser Komposition mit dem Vorschlag, seine Messübersetzung zu vertonen, an Heucke herantrat. Der Kompositionsauftrag erfolgte schließlich durch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. Die Deutsche Messe ist für 4 Solisten, Chor und Orchester komponiert und besteht aus den Sätzen Erbarmen (Kyrie), Ehre (Gloria), Glaube (Credo), Anbetung (Sanctus), Unser Vater (Pater noster) und Friede (Agnus Dei). Nach der Gattungstradition der Missa solemnis enthält sie damit die fünf Kerntexte der katholischen Messe. Lammert fügt dem Text jedoch seine Pater noster-Übersetzung hinzu. Heucke verwendet hierfür in seinem Werk die bereits von ihm komponierte Vertonung und erweitert diese für die größere Besetzung. Für die Komposition der Messe setzte sich Heucke intensiv mit den Messvertonungen von Guillaume de Machaut über Beethoven bis in heutige Zeit auseinander. Er kreiert damit ein Werk, das sowohl seinem persönlichen Anspruch als zeitgenössischem Komponisten entspricht als auch in der Tradition anderer großer Messkompositionen steht.

Heuckes Deutsche Messe: Ein Zeichen des Dialoges

Nicht umsonst findet die Uraufführung im Reformationsjahr 2017 statt. Mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche machte Martin Luther die Heilige Schrift für alle zugänglich, die der lateinischen Sprache nicht mächtig waren. Auch eine neue Messordnung führte er ein. Luthers Übertragung der römisch-katholischen Messe für den reformatorischen Gottesdienst erfolgte jedoch nur unter starker Änderung der ursprünglichen Liturgie. Lammert hingegen übersetzt alle Ordinariumstexte der lateinischen Messe. Obwohl seine Fassung keineswegs die erste deutschsprachige ist, zeigt sich hier eine deutliche Parallele zu Luther. Trotz dieser Reminiszenz an Luthers Bibelübersetzung und der Terminierung der Aufführung im Lutherjahr ist Heuckes Deutsche Messe keineswegs ein rein reformatorisches Werk. Durch die Zusammenarbeit des katholischen Lammert mit dem protestantischen Heucke setzen beide ein Zeichen für die Ökumene und den Dialog zwischen den Konfessionen. Das zeigt sich auch musikalisch: Getreu der zeitgemäßen Wortwahl ist auch Heuckes Tonsprache modern. Dennoch lässt er durch Anklänge aus der Gregorianik und Luther-Chorälen Elemente aus den Traditionen beider Konfessionen einfließen.

Mir schwebt vor, die Ströme der uralten gregorianischen Hymnen, die auch in die protestantische Kirchenmusik eingeflossen sind, weiter zu verfolgen und so ein Werk der Synthese zu schaffen, das die gesungene Musik der Gläubigen in der Kirche ebenso umfasst, wie die Tradition der mittelalterlichen Vokalpolyphonie, der klassisch-romantischen Chorsymphonik  bis hin zu Zwölftontechnik und was aus ihr folgte. – Stefan Heucke

Nach der Uraufführung folgen am 11. und 12. Juni Aufführungen des Werkes im Steintor-Varieté in Halle und im Konzerthaus Berlin.

 

Foto: © Jonas Holthaus (Rundfunkchor Berlin)