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Schott Music

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17. Juli 2017

Werk der Woche: The Harry Partch Edition

Das Ensemble Musikfabrik brachte Harry Partchs Delusion of the Fury im August 2013 – ganze 45 Jahre nach der Uraufführung in den USA – bei der Ruhrtriennale zur europäischen Erstaufführung. Dabei entstand die Idee, das einzigartige Notenbild seiner Werke in einer Faksimile-Edition festzuhalten. Wenig später erschien mit Delusion of the Fury die erste Ausgabe der Publikationsreihe The Harry Partch Edition; in den vergangenen Monaten ist die Zahl der Veröffentlichungen auf zwölf gestiegen.

Die Faksimile-Edition The Harry Partch Edition ermöglicht einen tiefen Einblick in die ganz eigene musikalische Welt des Komponisten. Dabei lassen die Titel seiner Werke zunächst nicht erahnen, wie außergewöhnlich seine Kompositionen sind. So behandelt Daphe of the Dunes die antike Sage von Daphne und Apollo und The Lord is My Shepherd  ist eine Vertonung des bekannten 23. Psalms. Auch die Anlässe, zu denen Partch komponierte, unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer Komponisten. Rotate the Body in All Its Planes ist als musikalische Untermalung einer Turnaufführung entstanden, Two Settings from „Finnegan’s Wake“ komponierte er für eine Sopranistin, von deren Stimme er begeistert war, und die erst kürzlich veröffentlichte Ausgabe Summer 1955 ist eine schlichte Ansammlung verschiedener Werke, die in diesem Zeitraum komponiert wurden.

Das Besondere am Gesamtwerk von Harry Partch ist aber, dass er nicht nur Komponist sondern auch ein sehr erfinderischer Instrumentenbauer war. Um seine Klangvorstellungen zu verwirklichen, griff er auf exotische Instrumente entlegener Kulturen zurück. Doch da auch das nicht ausreichte, entwickelte er zahlreiche Instrumente selbst. Die Möglichkeiten, die sich ihm dadurch in seinen Kompositionen eröffneten, konnte Partch in vollem Maße ausschöpfen.

The Harry Partch Edition: ein einzigartiger musikalischer Kosmos

Mit seinen Kenntnissen als Instrumentenbauer entwickelte Partch nicht nur eine große Sammlung von Instrumenten verschiedenster Klangfarben, sondern passte diese auch an sein eigenes Tonsystem an, das er im Laufe der Zeit verfeinerte. Statt der üblichen zwölf temperierten Halbtonschritte verwendet er in vielen seiner Stücke ein System aus 43 Mikrotönen und war damit ein Pionier der Mikrotonalität. Auch beim Bau seiner Instrumente zeigt Partch seine unerschöpfliche Kreativität: Das „Chromelodeon I“ ist eine Erweiterung eines Harmoniums für sein Tonsystem. Für viele seiner anderen Instrumente verwendete er gewöhnliche Alltagsgegenstände, die er für seine Zwecke anpasste – beim „Zymo-Xyi“ erklingen Schnaps- und Likörflaschen, beim „Bloboy“ sind es Lufthupen eines Autos und bei der „MazdaMarimba“ Glühlampen.

Die Richtung, in der ich mich in den letzten vierundvierzig Jahren bewegt habe, hat viel mit den Tätigkeiten und Handlungen des Urmenschen zu tun, so wie ich ihn mir vorstelle. Der Urmensch entdeckte magische Klänge in den Materialien seiner Umgebung: in einem Schilfrohr, einem Stück Bambus, einem bestimmten, auf eine gewisse Weise gehaltenen Holzstück, oder in einer über eine Kalebasse oder einen Schildkrötenpanzer – irgendeinen Resonanzkörper – gespannte Haut. Als nächstes gestaltete er dann den Gegenstand, das Medium, das Instrument so schön, wie er konnte. Der letzte Schritt erfolgte dann fast automatisch: die Verwandlung der magischen Klänge und der visuellen Schönheit in etwas Geistiges.  – Harry Partch

Die nächste Ausgabe der Faksimile-Edition The Harry Partch Edition wird Ring around the Moon sein. Ebenso sind für dieses Jahr noch Castor and Pollux, Windsong und Oedipus geplant.

 

Foto: MazdaMarimba des Ensembles Musikfabrik