Schott Music

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26. März 2018

Werk der Woche – Jörg Widmann: Partita

Das neue Orchesterwerk Partita von Jörg Widmann erlebt in vier Konzerten vom 29. März bis 4. April seine amerikanische Erstaufführung in der Boston Symphony Hall. Andris Nelsons dirigiert das Boston Symphony Orchestra, nachdem er das Stück erst kürzlich mit dem Gewandhausorchester in Leipzig zur Uraufführung gebracht hatte.

Partita entstand als Auftragswerk des Gewandhausorchesters Leipzig und des Boston Symphony Orchestra. In seiner Funktion als „Gewandhauskomponist“ der aktuellen Spielzeit komponierte Widmann das Stück eigens für das Festkonzert zum 275. Jubiläum des Gewandhausorchesters und zur Amtseinführung des neuen Gewandhauskapellmeisters Andris Nelsons. Am 8. März wurde es in Leipzig uraufgeführt. In dem groß besetzten Werk, das unter anderem auch Wagnertuben erfordert, zeigt sich die Instrumentationskunst und stilistische Bandbreite des Komponisten.

Jörg Widmann – Partita: Fünf Reminiszenzen für das Gewandhausorchester Leipzig

Die fünf Sätze – Reminiszenzen genannt – besitzen dabei, wie typisch für eine Partita, ganz unterschiedliche Charaktere: Dem gewichtigen, zweiteiligen Kopfsatz folgt ein wehmütiges Andante und ein musikalisch humorvolles Divertimento. Die Sarabande und die abschließende Chaconne stehen mit ihren Bezeichnungen als Tanzsätze in der formalen Tradition von Partiten und barocken Orchestersuiten, deren prachtvoller Ouvertüre verschiedenartige Tanzstücke folgen. Auch bedient sich Widmann vieler musikalischer Zitate aus diversen Epochen. Damit soll sich die Komposition ästhetisch an die Historie des Gewandhausorchesters und die Stadt Leipzig anlehnen. Im zweiten Satz sind so etwa Elemente aus Mendelssohns Es-Dur Klarinettensonate zu hören, während im letzten Satz Anklänge an das Crucifixus aus Johann Sebastian Bachs h-moll-Messe durch die musikalische Textur hindurchschimmern, aber es gibt darin noch sehr viel mehr zu entdecken:

„‚Fünf Reminiszenzen für großes Orchester‘ heißt die Partita mit Nachnamen. Diese Reminiszenzen lassen Epochen der Geschichte des Gewandhausorchesters aus einem breiten Assoziationsstrom hervorblitzen: Mal bringt sich da harmonisch ein Tannhäuser in Stellung, mal loten unendlich lange unendlich schöne Holzbläser-Linien das weite Feld zwischen Dvořák, Tschaikowski und Rachmaninoff aus. – Leipziger Volkszeitung, 9.3.2018

In nächster Zeit werden weitere Werke des Gewandhauskomponisten in Leipzig zu hören sein: Am 12. und 13. April spielt das Gewandhausorchester Widmanns Kinderreime und Nonsensverse und am 19. und 20. April seine Komposition Trauermarsch.