Schott Music

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12. März 2015

Wiederentdeckt: Triple-Sec von Marc Blitzstein

Oper im Vollrausch: Am 14. März 2015 findet im Konzerthaus Berlin die europäische Erstaufführung von Marc Blitzsteins Kurzoper Triple-Sec (Die Sünde des Lord Silverside) statt. Das 1929 in Philadelphia uraufgeführte und zur Entstehungszeit häufig gespielte Stück wurde erst kürzlich in einem amerikanischen Musikarchiv wiederentdeckt. Blitzstein, in den USA einst ein erfolgreicher Musical-Komponist, wurde als jüdischer Künstler während der Nazizeit boykottiert und ist hierzulande bislang kaum bekannt.

Die Kurzoper ist für Kabarettbühnen konzipiert, wo der Ausschank alkoholischer Getränke während der Aufführung nicht unüblich war. Alkohol ist auch das Kernthema des Werks, dessen Titel Triple-Sec auf die Bezeichnung für einen dreifach gebrannten Likör aus Curaçao-Orangen zurückgeht. Während die Handlung auf der Bühne um eine betrogene Ehefrau kreist, die ihren Mann bei einem Candlelight-Dinner mit seiner neuen Verlobten erwischt, spielt Blitzstein auf den fortschreitenden Alkoholkonsum des Publikums mit einem cleveren Kniff an: Im Verlauf der Oper erscheinen die Akteure in doppelter bis achtfacher Ausführung und suggerieren so dem Zuschauer, selbst unter alkoholbedingten Sehstörungen zu leiden. Unterstützt wird dieser Eindruck durch musikalische Effekte.

Für Blitzstein selbst ist Triple-Sec jedoch nicht nur eine Farce, die auf pure Unterhaltung gepolt ist. Das Werk enthält auch eine ganz persönliche Form von Gesellschaftskritik, wozu er sich 1941 in der Zeitschrift „People’s World“ äußerte:

Ich rechnete mit den eingebildeten Leuten und Traditionen ab, mit denen ich groß geworden bin und deren Werte ich ablehnte und von denen ich mich damit befreite. Ich fühlte mich damals wie ein Komponisten-Schoßhund gewisser Kreise und ich war dessen müde. – Marc Blitzstein

In Berlin ist Triple-Sec als Kooperation des Konzerthauses mit der Komischen Oper zu sehen und wird mit George Gershwins Jazzoper Blue Monday kombiniert. Die Inszenierung stammt von Tobias Ribitzki, Evan Christ übernimmt die musikalische Leitung.

 

 

 

 

Foto: Konzerthaus Berlin / Corbis Images

(12.03.2015)