Schott Music

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Unternehmensgeschichte

Seit fast 250 Jahren wird bei Schott Musikgeschichte in Noten geschrieben. Lesen Sie, wie Schott im 18. Jahrhundert gegründet wurde, bald zu einem führenden Musikverlag aufstieg, viele der weltweit bedeutendsten Komponisten gewinnen konnte und so zu einem Zentrum des internationalen Musiklebens wurde.

Übersicht:

 

Gründerjahre

73a3fa8eb93Der Schott-Verlag wurde im Geburtsjahr Ludwig van Beethovens 1770 in Mainz von einem jungen Kupferstecher und Klarinettisten namens Bernhard Schott (1748 – 1809, Bild rechts) gegründet. Seither befindet sich das Unternehmen ohne Unterbrechung im Familienbesitz. Noch heute ist das im Jahr 1792 im Stil eines Patrizierhauses erbaute denkmalgeschützte Verlagsgebäude Hauptsitz der Firma, die sich inzwischen zu einem Medien- und Dienstleistungsunternehmen rund um das Thema Musik entwickelt hat. In den Gründungsjahren des Schott-Verlages gab es in Kurmainz eine renommierte kurfürstliche Hofkapelle und ein blühendes kulturelles Leben mit öffentlichen Konzerten. Die zahlreichen Musiker der Residenzstadt, die musizierenden Adligen und die junge Hofoper wünschten sich für ihr Musizieren Noten populärer Stücke, und so produzierte Bernhard Schott zunächst Werke erfolgreicher Komponisten der Mannheimer Schule wie Carl Stamitz, Franz Xaver Richter und Georg Joseph Vogler sowie virtuose Gesellschaftsmusik und Spielopern.

 

Privilegium exclusivum

31f49aa8ec6Im Jahr 1780 erhielt Bernhard Schott vom Erzbischof und Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal das in Mainz erstmals verliehene „Privilegium exclusivum“ und das Prädikat „Hofmusikstecher“. Damit war eine wichtige Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg des jungen Unternehmens geschaffen, denn es bedeutete, dass innerhalb des Kurfürstentums niemand die von ihm hergestellten Musikwerke nachstechen oder verkaufen durfte. Ab 1799 benutzte Schott als einer der ersten Musikverleger das um 1796 entwickelte Vervielfältigungsverfahren der Lithographie, so dass seine Noten bald in einer hohen Auflage gedruckt und verbreitet werden konnten.

Die beiden Söhne Johann Andreas und Johann Joseph, denen der Verlag den über mehrere Generationen verwendeten Firmennamen B. Schott’s Söhne (seit 1818) verdankt, führten Schott bald über die Grenzen Deutschlands hinaus: Im Jahr 1824 gründeten sie eine Niederlassung in Antwerpen (die 1843 nach Brüssel umzog), 1826 folgte Paris, 1835 London, 1840 Leipzig und etwa zeitgleich Büros in Sydney und Melbourne. Durch den Kauf anderer Verlage und durch die Vergrößerung des internationalen Publikationsprogrammes gewann der Schott-Verlag rasch an Bedeutung.

 

Am Puls der Zeit

679684Das Verlagshaus widmete sich von Anfang an vor allem der zeitgenössischen Musik. Im späten 18. Jahrhundert war das in Deutschland insbesondere die Musik der Mannheimer Schule, außerdem gab Schott die Klavierauszüge und Partiturerstausgaben der Mozartopern Don Giovanni und
Die Entführung aus dem Serail heraus. In dem zwischen 1792 und 1814 mehrmals französisch besetzten Mainz publizierte der Verlag zahlreiche französische Komponisten. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kamen mit den Spätwerken Ludwig van Beethovens (Bild) einzigartige Meisterwerke hinzu, die noch heute mit dem Namen Schott verbunden sind: Die neunte Symphonie mit dem berühmten Schlusschor Freude schöner Götterfunken, die Missa Solemnis sowie die Streichquartette op. 127 und op. 131.

nz120Durch den lebendigen Austausch mit seinen Filialen konnte das Haus Schott wichtige internationale Werke und Komponisten verlegen, darunter Adolphe Adam, Daniel-François Auber, Gaetano Donizetti, Charles Gounod, Ignaz Pleyel und Gioachino Rossini. Durch Schott fanden die italienische und die französische Spieloper, also Stücke wie Adams Le Postillon de Lonjumeau und Aubers Fra Diavolo, im deutschen Sprachraum Verbreitung. Mit der Inverlagnahme von Werken Peter Cornelius‘ deutete sich ein steigendes Interesse am deutschen Repertoire an. In die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt auch die Publikation der führenden Musikzeitschrift Cäcilia durch Schott (1824 – 1848); die Tradition der Herausgabe von Musikzeitschriften wird bis in die Gegenwart (darunter seit 1950 die älteste noch bestehende, im Jahr 1834 von Robert Schumann begründete Neue Zeitschrift für Musik und Das Orchester) fortgeführt. Außerdem unternahm der Verlag schon früh Buchveröffentlichungen als Ergänzung des Notenprogramms wie die Biographie universelle de musiciens von Francois-Joseph Fétis (1837). Bis heute spielen Bücher rund um die Musik eine bedeutende Rolle bei Schott, ebenso musikpädagogische Publikationen, deren Anfänge im Verlag bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zur Nouvelle Méthode de basson von Carl Almenräder zurückreichen.

 

Franz Schott und Richard Wagner

8362acc61d1Im Jahr 1855 übernahm Franz Schott (1811-1874), ein Enkel von Bernhard Schott, ehrenamtlicher Bürgermeister von Mainz und Mitbegründer der Mainzer Liedertafel, die Leitung des Hauses Schott. Ihm gelang es im Jahr 1859, Richard Wagner für eine Zusammenarbeit mit dem Mainzer Verlag zu gewinnen. Dessen Bühnenwerke Die Meistersinger von Nürnberg, die vier Opern des Ring des Nibelungen sowie Parsifal wurden hier verlegt und brachten durch hohe Investitionen in das Aufführungsmaterial erhebliche wirtschaftliche Risiken mit sich. Über 800 Ausgaben – originale Werke Wagners sowie Bearbeitungen für die verschiedensten Instrumente – erschienen bei Schott. Darüber hinaus forderte Wagner vom Verleger exorbitante Vorauszahlungen auf seine Opern, die das Verlagshaus an die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten brachte. Daher schrieb Schott am 21. Oktober 1862 an Wagner: „Überhaupt kann ein Musikverleger Ihre Bedürfnisse nicht bestreiten, dies kann nur ein enorm reicher Bankier oder Fürst, der über Millionen zu verfügen hat …“ Diesen spendablen Fürsten fand Wagner bekanntlich bald darauf in dem jungen Bayernkönig Ludwig II.

 

Übergabe an Ludwig Strecker

Geheimrat_Ludwig_StreckerFranz Schott und seine Frau Betty geb. Edle von Braunrasch (1820-1875), eine hervorragende Pianistin, gründeten eine für das Mainzer Musikleben bedeutende Stiftung zum Aufbau und zur Unterhaltung eines ständigen Orchesters und förderten auf vielfältige Weise das Musikleben ihrer Stadt. Die noch heute in der Stadtbibliothek bewahrten 32 Briefe Beethovens an Schott sind ebenfalls ein Geschenk des Paares an Mainz. Da die beiden keine Kinder hatten, verkauften sie den Verlag im Jahr 1874 an den jungen Geheimrat Dr. jur. Ludwig Strecker (1853-1943, Foto links). Aus dem Umfeld Wagners kamen weitere Komponisten zum Verlag, darunter Engelbert Humperdinck, der selbst mehrere Jahre zunächst als Lektor, später als Berater und Bearbeiter bei Schott tätig war und dem Verlag seine im Jahr 1893 uraufgeführte Märchenoper Hänsel und Gretel anvertraute. Die beiden Söhne des Geheimrates Strecker, Dr. jur. Ludwig Strecker (1883-1978) und Willi Strecker (1884-1958), traten 1909 in das väterliche Unternehmen ein, ebenso Ludwig Streckers Schwiegersohn Heinz Schneider-Schott (1906-1988).

 

Zeitenwende

Strawinsky_q99_50pxDie verlegerische Ära der Musik des zwanzigsten Jahrhunderts beginnt mit der Inverlagnahme der Werke von Igor Strawinsky (Foto), den eine langjährige und intensive Freundschaft mit Ludwig und Willi Strecker verband. Der Verlag veröffentlichte von den frühen Orchesterstücken Feu d’artifice und Scherzo fantastiqueüber das Ballet L‘ oiseau de feu bis hin zum Violinkonzert, der Sinfonie in C und der Sinfonie in drei Sätzen einige der bedeutendsten Werke Strawinskys. 1920 kam die Verbindung mit dem Frankfurter Komponisten Paul Hindemith zustande, dessen gesamtes Werk Schott exklusiv verlegt, darunter die Opern Cardillac und Mathis der Maler. Auch Carl Orff, mit den Carmina Burana Schöpfer eines Welterfolges, ging eine lebenslange exklusive Bindung mit Schott ein. Erich Wolfgang Korngold, Joaquín Rodrigo, Kurt Weill, Michael Tippett, Karl Amadeus Hartmann, Wolfgang Fortner und viele weitere um die Jahrhundertwende geborene Komponisten vertrauten dem Haus ihre Werke an. Durch die Zusammenarbeit mit dem Verlag Adolph Fürstner übernahm Schott im Jahr 1950 die Betreuung der Bühnenwerke von Richard Strauss.

 

Heute und morgen

HenzemitWillyStrecker1951Nach dem zweiten Weltkrieg, im Jahr 1946, erhielt der gerade zwanzigjährige Hans Werner Henze (Foto, mit Verleger Willy Strecker) einen Exklusivvertrag mit Schott. In dieser Zeit sowie in den 50er und 60er Jahren kamen einige der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Heinz Holliger, György Ligeti, Aribert Reimann und Bernd Alois Zimmermann in den Verlag. Ferner wurden Schott die Rechte an wichtigen Werken Arnold Schönbergs übertragen, darunter die Opern Von Heute auf Morgen und Moses und Aron.
Das Gesamtschaffen von Krzysztof Penderecki wird bei Schott betreut, außerdem Komponisten wie Peter Maxwell Davies, Peter Eötvös, Henri Dutilleux, Luigi Nono, Dieter Schnebel, Rodion Shchedrin, Toru Takemitsu, Mikis Theodorakis, Peteris Vasks und viele andere.

655004Eine bedeutende Rolle im Verlagsprogramm spielen seit den siebziger Jahren historisch-kritische Gesamtausgaben bedeutender Komponisten. Im Jahr 1970 ging die auf viele Jahre angelegte Richard-Wagner-Gesamtausgabe an den Start, deren letzter Band im Wagner-Jahr 2013 erschienen ist. Hinzu kamen in Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen bzw. Partnerverlagen die Gesamtausgaben von u.a. Robert Schumann, Arnold Schönberg und Paul Hindemith.

Streckerlogo_web_150pxDem heutigen Verleger, Dr. Peter Hanser-Strecker, ein Enkel von Ludwig Strecker, der das Unternehmen seit 1974 leitet, liegt wie seinen Vorfahren besonders die Förderung der Musik unserer Zeit und des Musiklebens am Herzen. Hanser-Strecker rief zwei bedeutende Stiftungen ins Leben, die Pro Musica Viva – Maria Strecker-Daelen Stiftung und die Strecker-Stiftung. Seit dem Jahr 2000 wurden unter seiner Führung international weit über vierzig neue, teils junge Komponisten in den Verlag aufgenommen, mit den meisten von ihnen besteht eine exklusive Zusammenarbeit. Viele der ehemaligen Nachwuchskomponisten haben inzwischen eine beeindruckende Karriere vorzuweisen, darunter Richard Ayres, Chaya Czernowin, Toshio Hosokawa, Christian Jost, Thomas Larcher, Andrew Norman, Fazil Say und Jörg Widmann.